Und mit den Frühlingsferien kommen hier die sommerlichen Temperaturen. Zwar schreibe ich das grade, während ein heftiges Gewitter über uns hinwegzieht, doch der Frühling gehört mit dem Herbst zu den schönsten Jahreszeiten (warm aber nicht zu heiss, die Luft noch nicht zu feucht und nur wenige Mücken) und so kommen uns die 2 Wochen Ferien gerade recht. Da Phillip noch keinen Urlaub hat, verbringe ich die erste Woche mit den Kids zu Hause mit kleinen Ausflügen in den Zoo oder auf eine Farm. Vince ist in Vorfreude auf seinen 6. Geburtstag und bastelt fleißig Einladungen, während Lina die ersten Erfolge auf dem Töpfchen feiert 😄💪🏻. Während die meisten unserer Freunde schon fleißig Urlaubsbilder posten, bespritzen wir die Kids noch mit dem Gartenschlauch 😎 und natürlich wird auch die Grillsaison eröffnet. Der 1. Mai ist auch hier ein allgemeiner Feiertag, Chinesen haben 1-3 Tage frei, was wieder eine riesen Reisewelle mit sich zieht. So warten wir noch die größte Welle ab und machen uns am Dienstag auf den Weg auf eine Reise mit dem Schnellzug. Das Reisen mit dem Zug ist hier wirklich komfortabel. Viel schneller als mit dem Auto kommt man von A nach B und nach unserem miesen Flug-Karma, vertrauen wir dieses Mal der Bahn.



Obwohl die volle Bahnhofshalle manchen das Blut in den Adern gefrieren lässt, ist alles halb so schlimm. Es wirkt nur so voll, da man erst auf das Gleis darf, kurz bevor der Zug einfährt. Dann ist jedoch alles super organisiert. Ohne Ticket kommt man erst gar nicht aufs Gleis, wir müssen nur unsere Pässe zeigen- das war’s.
1. Halt Hangzhou
Nach nur 1h erreichen wir die 180 km entfernte Stadt Hangzhou, eines der Top Wochenendziele aus Shanghai. Der riesige Westlake ist ein Touristenmagnet und bietet viel Wasser und einen riesigen Park zum flanieren. Wir machen noch einen Abstecher in die Teeplantagen, denn auch für seinen grünen Tee ist diese Region bekannt. Natürlich darf auch ein Besuch beim Cirque du Soleil nicht fehlen, ein beeindruckendes Theater mit wunderbarem Bühnenbild zwischen Musical und Artistik. Da blieben nicht nur den Kids die Münder offen stehen 🤩.



2. Halt 1000 Island Lake
Nach 2 Tagen geht es schon weiter. Nochmal 160 km südwestlich bei Chun‘an liegt der 1000 Island Lake. Ein Stausee, indem tatsächlich 1078 größere Inseln liegen und ein beeindruckendes Panorama bilden. Hier lassen wir die Seele ein paar Tage baumeln und genießen das schöne Wetter. Für unsere Großstadt Kinder gibt es nichts schöneres als Steine ins Wasser zu schmeißen und Staudämme zu bauen – zum Glück gibt es hier viele Steine 👍🏻. Schön auch dass Lina mit ihren 2 Jahren jedem Stein „let it gooo, let it gooo“ hinterher singt 😄 (war wohl doch zu viel TV in den Ferien🤷♀️).


Die 3 Tage fühlen sich viel länger an und diesen Ort können wir nur jedem für einen entspannten Wochenendausflug empfehlen!
Ein Ziel haben wir jedoch noch vor uns.
3. Halt Huangshan- Yellow Mountains
Schon einmal wollten wir hierher, mussten aber wegen der schlechten Wetter Aussichten absagen. Und das ist keine Seltenheit, ca. 250 Tage im Jahr liegt der Berg in Wolken oder Nebel (laut meiner chinesisch Lehrerin). Umso mehr freut es uns, dass der Wettergott in diesem Urlaub mal auf unserer Seite ist ☀️. Auch wenn uns die Landschaft sehr an die Alpen erinnert, ist auch hier alles auf den chinesischen Massentourismus vorbereitet. Am Eingang der „scenic area“ heißt es erst mal sich als Ausländer registrieren und alles Reisepass Daten handschriftlich in eine Liste eintragen, green Code zeigen und Busticket kaufen. Mit großen Reisebussen gehts dann die erste Bergetappe aufwärts bis zur Gondel. Der Weg zwischen Bus und Gondelstation ist absichtlich nicht zu kurz, damit sich die Masse schon mal entzerren kann, um sich kurze Zeit später wieder in Viehgittern vor den Kassenhäuschen der Gondel einzureihen. Zum Glück war bei uns sehr wenig los und wir konnten nur erahnen, wie es hier an Feiertagen wohl zugeht. Tatsächlich vergeht gut 1 Stunde, bis man endlich auf dem Berg ist 😅. Allerdings lohnt sich der Aufwand, denn schon auf der Gondelfahrt wird man von der beeindruckenden Landschaft völlig eingenommen. 72 Gipfel formen hier ein spektakuläres Naturparadies. Die teils abgerundeten Felsen liegen oft so verrückt aufeinander, dass man meinen könnte, Riesen hätten einen Turm gebaut, der hoffentlich nicht einstürzt. Die Wege bestehen, wie meistens in China, aus Treppen. 1000de Stufen führen endlos zwischen Gipfeln bergab und bergauf und am Ende sind wir froh, dass wir das familienfreundliche Teilstück gewählt haben, denn Lina ist faul und hält lieber Nickerchen in Papas Rucksack. Für die chinesischen Touristen sind wir auch immer wieder eine Attraktion und viele fragen nach Fotos mit den Kinder 🙈.





Unser kleines chinesisches Hotel liegt nur 10 Minuten von der Busstation am Fuße der Berge. Wir sind zu dieser Zeit wohl die einzigen Gäste und werden vom Besitzer quasi VIP-mäßig betreut. Zwar gibt es noch eine Dame in der Küche aber sonst scheint es eine one man show zu sein ☺️. Er holt uns und bringt uns, er kocht und ob er auch putzt weiß ich nicht aber das Hotel ist liebenswürdig, sauber und super gelegen. Auch einen Ausflug wert ist eine Art Klamm, die man vom Hotel schnell erreicht. Unsere Kinder verbrachten ewig am Wasser mit „let it gooo“ Steinen (unter strenger Aufsicht eines Wachmanns 😄 – die sind hier wirklich überall). Und, da der Wasserfall aufgrund von Trockenheit an Wassermangel litt, war das Highlight für unsere Jungs eine Kletterwald Station mit Zipp-lining über dem Fluss.


Wow, waren das tolle Ferien. Wir haben jeden Tag in der Natur genossen und unsere Batterien wieder aufgeladen. Die Sonne hat sich heute Abend verabschiedet und ist Dauerregen mit Gewitter gewichen. Ein perfekter Zeitpunkt für die Heimreise 😌.
