Bye bye Shanghai

Wow, unglaublich aber wahr, dies ist unser letzter post aus Shanghai. Das Haus leert sich und auch im Kopf macht sich langsam Aufbruchstimmung breit. Die letzten Wochen waren unglaublich intensiv und emotional und gleichzeitig hektisch und anstrengend. Zwischen Umzugskartons, Ausmisten, verkaufen begann die Vorweihnachtszeit mit Schulfest, Plätzchen backen und Weihnachtsfeiern. Und gleichzeitig die Erdbeersaison 😄

Unser Leben in Kisten verpackt, wir sind gespannt wann sie in Ingolstadt ankommen
Wenn die Erdbeeren zusammen mit dem Stollen kommen ☺️

Anders als beim Abschied aus Deutschland vor 3 Jahren, ist es diesmal (wahrscheinlich) ein Abschied für immer. Das letzte Mal durch die French Concession schlendern, das letzte Mal das dekadente Brunch im W Hotel mit diesem Porno-Ausblick, das langersehnte Joggen am Bund, Fotoshootings mit Familie und Freunden, Abschiedsfeiern mit Kollegen und Freunden und tatsächlich haben wir es sogar noch ins Disneyland geschafft.

Ausblick im W Hotel
Weihnachtsstimmung im Disneyland
Auch hier muss man mal ein Nickerchen halten
Die Laufstrecke am Bund entlang
Ein wunderschönes Abschiedsgeschenk
Und noch ein Abschiedsgeschenk- ein Flug mit einem Wasserflugzeug

Diese drei Jahre in Shanghai haben uns definitiv geprägt und in jeglicher Hinsicht den Horizont erweitert (uns zu Tränen gerührt, zur Weißglut gebracht, uns oft zum Lachen und staunen gebracht) und uns gleichzeitig als Familie enger zusammen geschweisst. Auch für uns war China vorher eine große Unbekannte, die wir bisher nur aus den Nachrichten kannten. Und auch wenn wir in Shanghai kulturell nur an der Oberfläche gekratzt haben, können wir einiges jetzt besser verstehen und nachvollziehen. Natürlich finden wir nicht alles gut aber es gibt doch einiges, was wir vermissen werden 😆. Hier ein Paar Beispiele.

Einfach mal abhängen und von der Brücke angeln
Die Paketsortierstation
Der lokale Morgensport
Die Palmen vor dem Fenster
Diese vollgestopften Haushaltswaren Läden
Saubere Toiletten immer und überall, hier muss man nichts berühren- viel besser als dreckige Sitzklos bei uns
Einfach mal Pause machen
Nirgendwo habe ich kitschigere Schuhe gesehen ☺️
Café Kultur in der French Concession
Versteckte Hinterhöfe mit Blick in eine andere Welt
Bauchfrei können auch Männer
Essen sharing- einer bestellt – alle essen mit
Aussichten
Lampions
The simple but happy people
Es gibt nichts, was nicht auf einen Roller passt
… oder Fahrrad
Die unendliche Auswahl an tollen Restaurants und gutem Essen
Die schönen Geschichten hinter chinesischen Zeichen
KTV – eine wunderbare Erfindung
Chinesische Dächer
Die deutsche Schule
Die Lieferdienste, die dir innerhalb kürzester Zeit deine Einkäufe oder Essen liefern

Und so so vieles mehr. Natürlich auch alle unsere Freunde, die uns hier ans Herz gewachsen sind, mit denen wir viele Erlebnisse teilen und die hier Familienersatz für uns waren. Aber jetzt freuen wir uns richtig auf die Heimat mit allem was dazu gehört – Covid hin oder her. Deutschland wir kommen 👋🏻

Der Countdown läuft

Es ist kaum zu glauben. Während in Peking der erste Schnee zum Schlitten fahren einlädt, ist hier in Shanghai immer noch T-Shirt Wetter. Zumindest war es das bis gestern 🙃.

Halloween wurde hier wie immer groß gefeiert.

Tatsächlich neigt sich unsere Zeit in China so langsam dem Ende zu. Schon etwas früher als ursprünglich geplant, werden wir nach Deutschland zurück kehren. Und auch wenn wir schon viele Familien haben gehen sehen, ist es doch komisch selbst in diesen Schuhen zu stecken.

Auch wenn ich es so lange wie möglich vor mir her geschoben habe, wird der Gedanke an die Ausreise nun immer realer. Die Spedition steht in den Startlöchern und uns bleiben nur noch wenige Wochen fürs Aussortieren, Packen und Verabschieden. Wir versuchen die Momente festzuhalten, die Eindrücke aufzusaugen und gleichzeitig freuen wir uns riesig auf Weihnachten zu Hause. Das zu Hause, woran sich Vincent nur dunkel erinnert und Lina fast gar nicht kennt. Aber für uns sind es die eigenen 4 Wände, Familie und Freunde, die wir einfach viel zu lange nicht gesehen haben.

Jetzt heißt es erst mal Aussortieren und Entrümpeln. Es sammelt sich einfach so unglaublich viel an in einem so großen Haus 🙃. Da kommt uns die Flohmarkt-Saison gerade recht.

Gleichzeitig füllt sich unser Kalender plötzlich wie von Geisterhand. Die nun mehr 4 verbleibenden Wochenenden sind vollgestopft mit schönen Dingen, Einladungen und „was wir unbedingt nochmal machen wollen“. Das letzte mal KTV, das Lieblingsrestaurant, mit dem Fahrrad durch die FFC, Souvenir Shopping, Fakemarkt, nochmal auf einen Tower, Bootsfahrt, Disneyland, Fotoshooting und und und…Und trotzdem bleibt nicht mehr genug Zeit alles unterzubringen. Unser Tip an alle: schiebt nichts auf, am Ende wird es knapp.

Während einer 🚲 Tour gespottet, modetechnisch ist hier alles möglich
KTV am Straßenrand ☺️ 🎤
Fahrradtour durch die City

Und auch unser Haus ist kaum auf dem Markt, schon wieder vermietet. Das Expat-Leben ist schon sehr vergänglich, ein Kommen und Gehen. Jeder ist nur Gast für eine bestimmte Zeit und „schwups“ schon ist jemand Neues da. Und genau das hat mir die Tage Tränen in die Augen gejagt, als eine Familie zur Hausbesichtigung zu uns kam. Der Glanz in ihren Augen, ihre Emotionen wenn man zum ersten mal in diesem Haus steht, haben mich so daran erinnert, wie wir hier vor 3 Jahren das Haus besichtigt haben. Voller Vorfreude, Aufregung und Spannung (und nebenbei noch hochschwanger). Die Familie, die vor uns hier wohnte, war sehr bekannt und ich stellte mich nur noch vor mit „Wir sind neu, wir wohnen im Haus von Dorothea“. Jetzt, 3 Jahre später kennt kaum noch jemand Dorothea, dafür wird bald jemand sagen „Wir sind neu, wir wohnen im Haus von Phillip und Kerstin“. Verrückt und gleichzeitig irgendwie traurig.

Aber noch möchte ich nicht zu sehr auf die Tränendrüse drücken. Schließlich wollen wir die letzten Wochen noch genießen 😌!

Nach einem Covid Fall im Disneyland mussten wir unsere Pläne verschieben
Fahrrad gefällig?
Bald heißt es Abschied nehmen

Irgendwo in Südostasien

Aber doch noch in China. Schon der Anflug auf Pu‘er lässt erahnen was uns erwartet. Grüne Hügel, Teeplantagen und Wald soweit das Auge blickt.

Xishuangbanna und Pu‘er liegen ganz im Süden der Provinz Yunnan

Unser erstes Hotel „Little Panda Manor“ liegt mitten im Pu‘er Nationalpark. Die kleinen Holzhütten liegen idyllisch im Regenwald und die Geräuschkulisse der unzähligen Tiere und Insekten kommt nicht aus Lautsprechern ☺️. Sie wird nachts nur vom heftigen Regen überstimmt, der auch in den kommenden Tagen immer mal für durchweichte Kleidung sorgt.

Auf dem Wanderweg durch den Nationalpark bekommen wir immer mal wieder wilde Tiere in freiem bzw. naturnahen Gehege zu sehen. Nashörner, Affen, verschiedene Bären, Rehe und Vogelarten können gefüttert und teilweise sogar gestreichelt werden. Das war für unsere Kids natürlich aufregend. Auch wenn ich mich frage, ob das für diese Tiere auch tatsächlich natürlicher Lebensraum ist 🤨.

Trotz golden week war hier im Wald recht wenig los. Nur an der Lunch-Station ging es hoch her. Buntes Treiben aber kein langes Warten. Das liebe ich an chinesischem Streetfood. Fast immer ist für jeden was dabei.

Bei solchen Ausflügen fallen Westler definitiv immer durch ihre Ausrüstung auf. Während wir nie ohne Kraxe und Rucksack und Trackingschuhe losgehen, hat der Chinese meistens nur eine Plastiktüte mit Chips und Wasser dabei. Die Frauen tragen unpassendes Schuhwerk während die Männer noch die Handtasche der Frau tragen. Ein Status Symbol, das zeigt, dass man vergeben ist. Als Frau muss man sich also nie Gedanken machen, ob die Tasche zum Outfit passt 😄😄😄.

Am nächsten Tag ging es nach einem kurzen Stopp an einer Kaffeeplantage weiter Richtung Jinghong, der bekanntesten Stadt in Xishuangbanna. Tatsächlich sind die Chinesen auf den Kaffee gekommen und dieser scheint hier im tropischen Klima gut zu gedeihen. Die Führung auf der Kaffeeplantage wird leider durch starken Regen unterbrochen und der Kaffee schmeckte uns auch nicht besonders- also hielten wir uns dort nicht so lange auf.

Aber eigentlich ist ja das Land auch eher für den Tee bekannt. Teeplantagen haben wir allerdings schon zu genüge besichtigt und daher verbrachten wir etwas mehr Zeit in einem kleinen Dorf, in dem neben Hahnenkämpfen auch allerhand diverse Basteleien für Kinder angeboten wurden. Die Temperaturen hier sind auch gleich merklich wärmer als im höher gelegenen Pu‘er. An jeder Ecke werden zahlreiche Früchte angeboten und unterwegs sehen wir viele Drachenfrucht-Plantagen. Ich wusste gar nicht, dass diese an Kakteen wachsen 💡.

Drachenfruchtplantage

Die Einheimischen begegnen uns auch hier überaus freundlich und im Gegensatz zu unserem letzten Urlaub verspüren wir überhaupt keine Unsicherheit oder Abneigung Ausländern gegenüber. Westler treffen wir aber auch hier nur sehr selten.

In Jinghong angekommen, fühlen wir uns direkt wie in Thailand. Witzigerweise kann man auch überall „Thailand“ T-Shirts kaufen. Die Stadt wimmelt von buddhistischen Tempeln, goldenem Kitsch und Elefantendarstellungen. Würden nicht an jeder Ecke chinesische Flaggen hängen, könnte man glatt denken, man wäre irgendwo in Südostasien (Myanmar, Laos und Vietnam sind nur einen Katzensprung entfernt).

Im Hotel wird schnell klar, die Uhren ticken hier anders. Als wir die Kinder gegen 20:30 hundemüde ins Bett stecken, gehts draußen auf der Straße erst richtig los und auch in unserem Pool herrscht bis nachts um 1 noch wildes Treiben 🤪. Dafür sind wir tagsüber allein am Pool und wohnen mitten in der Stadt. Unser Hotel hat zwar online mit westlichem Frühstück geworben aber das einzig westliche ist hier wohl der Toaster und – immerhin soetwas ähnliches wie Kaffee 😅. Das Personal ist sichtlich verwirrt als wir nach Toastbrot und Milch fragen- auch normales Besteck ist im ganzen Haus nicht aufzutreiben 😄. Wir nehmen es mit Humor, denn das passiert uns nicht zum ersten Mal und so haben wir immer ein Überlebenspaket bestehend aus Cornflakes, Schwarzbrot, Landjägern und Marmelade dabei. Die kann man auch mit Stäbchen verschmieren 😆. „Mingtian, mingtian“ verspricht der Küchenchef und tatsächlich bekommen wir am nächsten Tag frisch gekauftes Besteck, Milch, Butter und Toast serviert. Zusammen mit unseren Mitbringseln, den Eiern, dem gedünsteten Gemüse und der Nudelsuppe eine akzeptable Auswahl. Das Frühstück ist gerettet 👍🏻👍🏻👍🏻.

Abends sind wir ratzfatz am bekannten Nachtmarkt. Unzählige Marktstände, glitzernde Prinzessinenkleider wie aus 1001 Nacht (die man sich in jedem 2. Laden ausleihen kann) und das beste Streetfood was das Land zu bieten hat. Und auch hier ist es bei weitem nicht so voll wie wir erwartet hatten. Das ist wohl der einzig positive Coronaeffekt.

Es werden wilde Getränke in Tüten angeboten, z.B. Thailändischer Kaffee – nichts für mich 🥴

Natürlich haben wir auch den Standard Ausflug von Xishuangbanna ins Wild Elephant Valley gemacht. Ein riesiger Park im Regenwald, indem man während einer Wanderung durch den Wald mit ganz viel Glück wilde Elefanten beobachten kann. Aber mal ganz ehrlich- wenn ich Elefant wäre, würde ich mich auch nicht zu den Besucherzeiten von lauten Chinesen an die Wasserstellen begeben…und so blieb es bei der Begegnung zur Fütterung einiger Dickhäuter am Eingang des Parks. Aber allein dieser endlose Regenwald ist schon beeindruckend.

Auch der tropical forest park oder einer von vielen buddhistische Tempeln sind sehr sehenswert.

Und es hätte noch unzählige weitere Parks und Sehenswürdigkeiten gegeben. Aber wir wollten uns nicht stressen und so haben wir die Nachmittage einfach am Pool verbracht, ist ja schließlich Urlaub😎.

Insgesamt sind wir begeistert von dieser Reise und glücklich auch noch diesen ganz anderen Teil von China gesehen zu haben. Ein Land, was uns mit seiner Vielseitigkeit immer wieder überrascht hat.

Die „goldene Woche“

Unser Compoundeingang und unser Haus

Da hat die Schule kaum angefangen und schon sind wieder Ferien. Wie jedes Jahr vom 1. – 7. Oktober hat ganz China frei. Überall wird für den National Feiertag (Gründung der Volksrepublik China) festlich geschmückt und auch unser Compound hat sich herausgeputzt. Die roten Laternen und bunten Fähnchen (mit denen übrigens auch Baustellen abgesperrt werden) sind schon immer wieder schön anzusehen.

Tatsächlich ist der Name Programm. Schon seit Wochen zeigt sich der goldene Herbst in Shanghai von seiner schönsten Seite. Blauer Himmel, 30 Grad und nicht mehr diese Luftfeuchtigkeit, die den Sommer so unerträglich macht. Wir genießen den Spätsommer in vollen Zügen. Unzählige Grillfeiern, endlich im Garten sitzen und natürlich auch ein Oktoberfest durfte im September nicht fehlen.

Laowai Street
Auch beim Blumenmann ist es Herbst geworden

Wenn dann mal Regen kommt, dann kurz und heftig.

Die Golden Week ist eine der vollsten und teuersten Reisezeiten innerhalb Chinas, da sich alle auf den Weg zu ihren Familien auf dem Land machen. Eigentlich müsste man schon ein Jahr im Voraus buchen, um ein halbwegs bezahlbares Flugticket zu ergattern aber seit Corona plant kaum jemand soweit im Voraus und deshalb greifen wir für unseren Urlaub mal wieder unglaublich tief in die Tasche. Während sich andere Länder im Westen schon wieder langsam dem Tourismus öffnen, baut China fleißig Quarantäne Dörfer, in denen Einreisende ihre bis zu 3 Wöchige Zentral-Quarantäne absitzen können. Es gibt derzeit immer noch keine Visa für Touristen, nur für Fachexperten und deren Familien und selbst für die nur unter erschwerten Bedingungen. So bleiben wir also, wie die letzten fast 2 Jahre auch in diesen Ferien in China 🙃. Ist ja zum Glück ganz schön hier. Aber wer hätte schon gedacht, dass Reisen hier so teuer ist…Zum Glück war heute am internationalen Flughafen Pudong nicht so viel los.

Die typische Sitzhaltung eines pausierenden Chinesen

Während die Landschaft in Sichuan noch sehr an unsere Alpen erinnerte, sind wir nun auf dem Weg nach Süd-Yunnan. Um genauer zu sein Pu’er und Xishuangbanna. Eine Region, dessen Namen wir mittlerweile ohne Schwierigkeiten aussprechen können ☺️. Ganz nah an der Grenze zu Vietnam und Laos erwartet uns ein bisschen Dschungel und ein kleines Stück Südostasien. Wir sind wie immer gespannt und werden Euch berichten.

3,5h Flugzeit von Shanghai nach Pu‘er
Über den Wolken
Grüne Hügel soweit das Auge reicht
Und mittendrin Pu‘er (2,6 Mio EW)

Nach den Ferien ist vor den Ferien

Es ist die Zeit im Jahr, wo es langsam wieder kühler wird. Nur noch knapp 28-30 Grad und ich ertappe mich dabei wie ich meiner Tochter ein Unterhemd und Leggins anziehe, weil es draußen jetzt „frisch“ geworden ist 😄. Nach den dauerhaften 38 Grad und der hohen Luftfeuchtigkeit ist es nach dem letzten Taifun ganz schön abgekühlt und einfach nur noch angenehm. Das Wasser in unserem Pool ist auf einmal eine echte Erfrischung und die Kinder trauen sich schon kaum mehr hinein.

Die Sommer-Ferien endeten mit einem großen Ereignis – der Einschulung von Vincent. Natürlich ist die Einschulung auch am anderen Ende der Welt etwas ganz besonderes und auch eine Schultüte durfte hier nicht fehlen. An der Deutschen Schule wird diese Tradition noch sehr gepflegt. Tatsächlich gibt es aber in China weit und breit keine Schultüten zu kaufen- das ist wirklich ein sehr deutsches Ding. Die sonst so zuverlässige Bildersuche auf Taobao (Onlineshop) ergibt nur Regenschirme und Fingerpuppen 😄.

Zwar bestellt der Schulshop immer Bastelsets aus Deutschland, nur ist dieses Jahr dieser Container aufgrund der Pandemie nicht rechtzeitig angekommen und so mussten die Eltern gleich doppelt kreativ werden. Einmal mehr war ich froh, meine Nähmaschine mitgenommen zu haben.

Jetzt haben wir ein Schulkind – verrückt!

Gleichzeitig ist auch unser letztes Jahr in Shanghai angebrochen und wir beschäftigen uns so langsam damit, was wir hier noch erleben wollen und freuen uns gleichzeitig auch schon auf unserer Heimat. Auf einmal werden wir wehmütig und wir fragen uns, wie es wohl in Deutschland wieder sein wird. Trotzdem oder gerade deshalb können wir noch diese Andersartigkeit dieses Landes genießen. Zum Beispiel im Shanghai Film Park – eine große Filmkulisse, in der wohl auch manchmal noch Szenen gedreht werden. An diesem verregneten Sonntag war sie jedoch sehr verlassen aber trotzdem einen Ausflug wert. Ein bisschen wie ein Freiluftmuseum.

Und noch etwas, was in jedem Reiseführer steht ist das M50. Ein kleines Künstler Viertel mit vielen Malern, Galerien aber auch netten Restaurants. Hinter jeder Tür oder Ecke wartet eine Überraschung.

Selbst das Essen ein Kunstwerk 😊

Weizhou Island

So, nachdem wir glücklich wieder zurück in Shanghai sind, hier noch ein Paar facts über die Insel.

Das Inselchen Weizhou Dao mit 25qkm liegt im Süden Chinas in der Region Gunangxi östlich von Vietnam und westlich von Hainan.

Obwohl die Fähre von Beihai täglich mit Besuchern voll ist, hat man noch nicht das Gefühl hier vom Massentourismus überlaufen zu werden. Ist das Gedränge auf der Fähre noch groß, verläuft sich danach alles ganz gut, wenn alle Golfcarts (die Insel ist Auto-frei) die Besucher in ihr Domizil verräumt haben. Zum Glück gibt es (noch) keine großen Hotelbunker, sondern fast ausschließlich kleine Boutique Hotels. Wir hatten den Eindruck, dass die meisten Besucher nur Tagestouristen sind oder nur wenige Nächte bleiben. Es gibt bestimmte Bereiche bzw. beworbene Strandabschnitte, wo einiges geboten wird. Hier ist auch deutlich mehr los. Mit unseren Strandbungalows im Norden der Insel (Weizhou Island Beach House), hatten wir echt Glück. Gefühlt waren wir hier die einzigen Gäste. Zwar waren ab und zu auch andere da, allerdings waren die so gut wie gar nicht am Strand und auch sonst quasi unsichtbar. Generell darf man es hier mit der Sauberkeit nicht ganz so genau nehmen und es ist auch nichts mit einem 5-Sterne Hotel auf Hainan zu vergleichen aber das Personal war stets bemüht unsere Wünsche zu erfüllen und wer einen ruhigen Strandurlaub fernab von Menschenmassen verbringen möchte, ist hier genau richtig.

Zurück zur Insel. Es gibt einige verschlafene Dörfer und das Highlight ist eine alte Kirche im Dorf Shetang. Der morbide Charme ist beeindruckend und katholische Kirchen sind in China ja eine Seltenheit.

Dann gibt es noch den crocodile mountain. Dazu muss man wissen, dass Weizhou Dao eine Vulkaninsel ist, dessen Krater und oberste Spitze an der Oberfläche liegt und der aus der Luft betrachtet (mit viel Fantasie) wie ein Krokodil aussieht. Hier kann man einen schönen Spaziergang am Meer entlang vorbei an Vulkangestein machen.

Die Insel erkundet man am einfachsten per Roller, die kann man überall leihen. An der Küste entlang oder mitten durch, vorbei an unheimlich vielen Bananenplantagen, durch kleine Dörfer, vorbei an kleinen Restaurants und Straßencafés (wo es selten Café gibt). Man fühlt sich wie irgendwo in Südostasien. Westliche Restaurants sucht man vergeblich aber dafür findet man eine sehr nette, einfache und entspannte Bevölkerung und leckeres chinesisches Essen.

Wir hoffen, die Bewohner lernen noch ein wenig mehr über Umweltschutz und Müllvermeidung bzw. Entsorgung und die Insel kann sich ihren Charme trotz wachsender Touristenzahlen bewahren. Bye bye Weizhou Dao!

Boat trip

Tatsächlich haben sie uns am nächsten morgen wieder rausgelassen von dem ominösen Parkplatz ☺️ und so konnten wir unsere Reise wie geplant am Samstag fortsetzen 😅. Nach einem kurzen Abstecher in einem kleinen Panda-Valley (schließlich ist Sichuan das Land der Pandas), mussten wir Abschied nehmen von unseren Wohnmobilen. Schön und aufregend war diese Woche auf 4 Rädern. Jetzt freuen wir uns aber mal so richtig auf ein Hotel großem Bett und Badezimmer ☺️.

Vorher gibt es jedoch noch eine Hürde zu nehmen. Den Flughafen Chengdu. Seit Beginn der Pandemie läuft in China alles nur noch über den grünen Barcode. Unsere Bewegungsdaten werden überall aufgezeichnet und an jedem öffentlichen Ort muss man seinen grünen Code zeigen, um rein zu kommen. Im letzten halben Jahr ist es hier ja Corona-technisch sehr ruhig geworden und der Code war nur noch eine Lappalie. Aber es war ja nur eine Frage der Zeit wie lange sich China vor „Delta“ verstecken kann. Mit drei Fällen fing es an und seit einem Festival verbreitet sich Corona auch hier wieder vermehrt in alle Richtungen. Auch wenn es immer noch einzelne Fälle sind, die man zählt. Je nach Fallzahl werden die Gebiete schnell abgeriegelt und zu middle oder high risk areas gemacht. Und so kann sich der eigene Code auch rückwirkend verändern. Und auch wenn wir in keinem der bisherigen Risikogebiete waren, sind Hotels oft sehr streng und nehmen auf einmal aus Prinzip keine Ausländer mehr auf, sobald es Fälle in der Nähe gibt. Der Irrglaube, dass die Ausländer den Virus mitbringen, ist in den Köpfen fest verankert. Ungeachtet der Tatsache, dass wir seit 16 Monaten nicht mehr im Ausland waren 🙃.

Aber wir haben Glück. Sowohl am Flughafen, als auch im Hotel in Beihai haben wir keine Probleme und können unseren Urlaub ungehindert fortsetzen!

Nach dem Campingabenteuer geht es für uns jetzt auf eine kleine Insel im Süden Chinas „Weizhou Island“.

Nach einer Nacht in Beihai nehmen wir die Fähre ⛴ (Flughafen gibt es nicht auf der Insel). Und mit uns an Board sind viele, viele chinesische Tagestouristen. Am Gepäck können wir erkennen, dass die meisten wohl nur für eine Nacht hier sind. Das Reisen mit vielen Chinesen ist immer sehr stressig und erinnert eher an einen Viehtransport. Mit sich ständig wiederholenden, unglaublich lauten Megafon-Durchsagen werden die Menschen zu den Eingängen der Fähre getrieben und es ist ein einziges Gewusel bis am Ende jeder ordentlich an seinem Platz sitzt. Dann verteilt der Schiffsjunge haufenweise Tüten und es dauert nicht lange, bis uns klar wird warum. Die Geräuschkulisse um uns rum verändert sich kurz nach der Abfahrt. Nachdem die erste Welle noch ein spaßiges „uhhhooooouuuu“ hervorgerufen hat, wird es auf einmal sehr still um uns. Kurz darauf finden sämtliche Reis und Nudelgerichte des chinesischen Frühstücks den Weg zurück in ein Plastikgefäss 🤢. Zwischendurch gefolgt von dem Geräusch des herzhaften „Hochziehens“ von Körperflüssigkeiten, die eigentlich in die andere Richtung unterwegs waren. Puh, daran werden wir uns wohl nie gewöhnen 🙃.

So verging die 75-minütige Fahrt und wir verlassen die Fähre stolz mit leeren Tüten aber flauem Magen. Wie an touristischen Zielen in China Gang und Gebe, wird die Herde nach Ankunft erst mal zerstreut, indem man ein längeres Stück zu Fuß zurück legen muss. In diesem Fall bis zu einer großen Wartehalle mit Ticketschaltern, in denen man Eintrittskarten für die Insel kaufen muss. Nicht dass das schon mit dem Fährticket möglich gewesen wäre 🤔. Nein, es ist auch wichtig, die Menschen auf der Insel zu beschäftigen und dafür zu sorgen, dass nicht alle Leute gleichzeitig aus dem Terminal laufen. That’s China.

Als auch diese Hürde genommen ist, sitzen wir endlich in einem Golfcart auf dem Weg zum Hotel. Richtige Autos dürfen auf der 25qkm großen Insel nämlich nicht fahren. Westliche Touristen verschlägt es nur selten hier her (die sind meist auf der großen Nachbarinsel Hainan zu finden). Und so ist unser Hotel klein, fein und chinesisch. Aber in den 8 Strandbungalows sind wir und unsere Freunde oft die einzigen Gäste und wir genießen die Ruhe, die wir in China nur selten finden 😄 🏖.

On the road in Sichuan- die Vierte

Wir merken, dass ab diesem Zeitpunkt die Unsicherheit in der Bevölkerung wieder zunimmt – vor Allem uns Ausländern gegenüber. Überwiegte bisher die Neugier, ist es jetzt wieder große Unsicherheit. Wenn wir uns nähern, werden wir sofort gebeten Masken zu tragen und wir bekommen auf einmal täglich Polizeikontrollen. Und das „nur“ wegen 3 neuen Covid Fällen in Chengdu (Einer Stadt mit 14 Mio Einwohnern).

Auf dem letzten zwei Teilstücken, bevor wir unseren Camper wieder in Chengdu abgeben müssen, führt uns der Weg durch ein wunderschönes Tal. Es ist ganz komisch, weil wir uns fast alleine auf der Straße befinden und es überall Baustellen gibt. Die Kulisse sieht aus wie für den chinesischen Bergdoktor gemacht. Grüne Tannen säumen hohe Berge und durchs Tal verläuft ein meist glasklarer Gebirgsfluss mit Gletscherwasser.

Kurz frage ich mich, warum die Chinesen eigentlich nach Europa kommen um Urlaub zu machen… wirklich wunderschön hier.

Anscheinend ist die Region noch nicht für den Massentourismus zugänglich aber es wird offensichtlich gerade alles darauf vorbereitet (Häuser gestrichen, Parkplätze, gebaut, Straßen erneuert etc.). Ich mag gar nicht daran denken, was hier passiert wenn die Touris mit ihren Megafonen einfallen 🙈.

Die Nacht verbringen wir auf einem schön gelegenen Parkplatz mit einigen Restaurants, wo wir uns Yak-Fleisch zu unseren Kartoffeln bestellen ☺️

Die Anwohner sind unsicher, was sie mit uns anfangen sollen (Wohnmobile kennen sie nicht, Ausländern trauen sie nicht und Covid wollen sie nicht) und rufen erst mal den ansässigen Polizisten. Der ist aber überaus freundlich, nimmt alle unsere Daten auf und entschuldigt sich sogar für die Störung.

Ganz anders erging es uns am nächsten Tag. Auf halbem Weg nach Chengdu, suchten wir vergeblich nach einem geeigneten Stellplatz und das Beste was wir fanden, war ein hübscher Schotter-Parkplatz zwischen (scheinbar) verlassenen Industriebauten. Es dauerte nicht lange, da stand die Polizei wieder auf der Matte und versuchte uns vergeblich zum Weiterfahren zu bewegen. Ganz offensichtlich wollten sie sich nicht mit Dem „Problem“ Ausländer im Wohnmobil befassen. Nachdem wir eine Weile diskutierten, sie alle Pass-und Reisedaten hatten und sie merkten, dass wir nicht wegfahren würden, eskortierten sie uns netterweise zum gegenüberliegenden Parkplatz eines verlassenen Supermarkts und schlossen hinter uns das Tor 🙃⛔️ so sicher hatten wir noch nie geparkt ☺️. Ein unvergesslicher letzter Abend👍🏻 hoffen wir mal, dass morgen jemand das Tor wieder aufmacht.

Vorher
Nachher 😅

On the road in Sichuan- die Dritte

Nachdem wir uns noch die Mühle des Hotels angeschaut hatten und die Kinder den 1000. Stein in den Fluss geworfen hatten, ging es weiter Richtung Huanglong Park. Ein Naturschauspiel aus Wasserfällen über Kalkstein mit wunderschönen Farbspielen. Drumherum ein Wanderweg aus Holzplatten und Treppen, wie es sich in China gehört ☺️ alles schön ordentlich, damit sich keiner verläuft.

Trotz der vielen Busse am Haupteingang war drinnen kein Gedränge. Es verlief sich erstaunlich gut. Aber trotzdem fielen wir auf wie bunte Hunde. Wenn wir mal stehen blieben, wollten sofort jemand ein Foto mit unsren Kindern. Während Lina freudig posiert, hatten die Jungs überhaupt keine Lust – verständlich. Die Idee 1 RMB pro Foto zu verlangen kam jedoch gut an ☺️.

Nächster Halt war Hongyuan – ein Grassland auf ca. 3500m Höhe. Unglaublich, wie grün hier oben noch alles ist. Wir fahren über 3h durch diese Landschaft und in alle Richtungen unberührte grüne Hügel mit weidenden Yaks und Pferden. Da kann sich unser graues Häusermeer gewöhntes Auge gar nicht satt sehen. Es leben hier hauptsächlich Tibeter und tibetische bunte Zelte aus Fähnchen sind hier überall zu sehen. Auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz haben wir hier auch Glück. So langsam haben wir uns an das „wild“ campen gewöhnt und die Suche nach dem perfekten Platz (idealerweise mit Strom- und Wasserzugang) motiviert unsere Männer.

Am nächsten morgen wollten wir noch auf gegenüberliegende Aussichtsplattform spazieren aber merkten schnell, dass auch hier im Nirgendwo nichts dem Zufall überlassen wird. Wir parkten an einem Feldweg, stiegen über einen Zaun und spazierten langsam Richtung Aussichtsturm, als wir von einem Golfcart gestoppt wurden. Nach kurzem Verständigungsproblem, verstanden wir dann, dass wir in der Stadt Tickets dafür kaufen müssen (mit 58 ¥ pP kein Schnäppchen). Das war uns zu viel und so kutschierte uns das Golfcart direkt wieder zurück zum Wohnmobil. So war der Ausflug schnell vorbei und wir genossen den Ausblick lieber vom Hotel aus… Typisch China, keinen Flecken kann man auf eigene Faust erkunden, überall gibt es Regeln, Aufpasser, Kameras und Holzstege 😄.

Währenddessen werden in verschiedenen Städten in China wieder mehrere Corona Fälle gemeldet, was ja immer gleich zu drastischen Maßnahmen führt. Wir verfolgen die Nachrichten gespannt, weil auch in Chengdu (der Stadt, wo wir die Wohnmobile abgeben sollen) neue Fälle gemeldet wurden und wir noch nicht wissen, was das für unseren weiteren Urlaub bedeutet.

On the road in Sichuan- die Zweite

Gestartet waren wir in Chengdu bei 34 Grad ☀️. Doch mit zunehmenden Höhenmetern und einsetzendem Regen, wurde es langsam deutlich ungemütlicher. Ernüchterung setzte dann noch ein, als uns die Realität der ausgewiesenen Campingplätze ereilte. Da war nichts mit schöner Aussicht oder Lagerfeuer-Romantik. Sondern lediglich lieblose Strassenbuchten, abgesperrte Parkplätze oder ähnliches.

Da sollte man doch meinen, dass das richtige Campingplätze sind

Das hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Ernüchtert und aus Zeitmangel entschieden wir uns für einen Hotelparkplatz eines relativ herunter gekommenen (freundlich ausgedrückt) Hotels. Hier durften wir wenigstens Wasser nachfüllen aber Strom gab es nicht. So blieb unsere Küche kalt und es gab überraschend leckeres China food aus dem Hotel-Restaurant (auch diese Bezeichnung ist leicht übertrieben 🙃).

Als ich am Morgen heißes Wasser holen wollte, musste ich die nette Angestellte erst mal wecken 🤷‍♀️

Nach der ersten Dusche im Camper, fühlten wir uns am nächsten morgen wie neu geboren und es ging weiter Richtung Berge. Tatsächlich ist es möglich in dieser kleinen Nasszelle ordentlich zu duschen 😃.

Wir versuchten uns vom einsetzenden Dauerregen nicht beeindrucken zu lassen. Was dann aber richtig nervte war, dass wir am Eingang einer „scenic area“ am Ticketkauf zu scheitern drohten 😧. Noch vor kurzem waren hier alle Nationalparks für Ausländer gesperrt und nun tat die Frau am Schalter so, als wären wir die ersten Langnasen überhaupt, die hierher kommen. Statt uns einfach gegen Geld ein Ticket zu verkaufen, mussten wir in einer App alle unsere Passdaten eingeben und erst 45 Minuten später (und nur dank der Unnachgiebigkeit unserer Freunde) knackten wir den Zugangscode – mit der Nummer unserer Aufenthaltsgenehmigung 🤪 (manchmal ein bisschen wie ein Escape Room Rätsel hier in diesem Land). Leider kostet das alles viel Zeit und Nerven und das ist auch der Grund, warum die meisten Ausländer nur mit Guide und/oder Fahrer unterwegs sind. S as Berg gehört alles dazu zum Abenteuer ☺️.

Da wir in der einen Woche hier in Sichuan nicht alle Highlights im Norden mitnehmen können, lassen wir den berühmten Juizhaigou Nationalpark aus. Aber der Erdaohai Park liegt auf unserer Route und so konnten wir uns zumindest den beeindruckenden Mounigou Wasserfall auf 3200m anschauen – wenn auch bei Dauerregen.

Auf den üblichen angelegten Stegen führt der Weg durch einen schönen Wald.

Und wir finden in der Nähe tatsächlich einen sehr schönen Stellplatz an einem kleinen Hotel mit tibetischen Hütten und tibetischem Essen. Tatsächlich ist der tibetische Einfluss in dieser Region schon recht groß. In den Bergen gibt es immer mal Tempel und Gebetsmühlen zu finden.

In den oberen Hütten kann man auch übernachten

In dieser Nacht packen wir tatsächlich unsere Daunendecken aus, denn die Temperaturen werden einstellig.

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